Dienstag, 9. Dezember 2008

Der antagonistische Köder - oder "Die Störung des Paradieses"

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56. INNEN - HAUS MIRA/WOLFGANG, KÜCHE, FLUR - MORGEN

Mira kniet vor einem Unterschrank, räumt Töpfe und Geschirr ein. In der Küche stehen immer noch ein paar Umzugskartons. Wolfgang blättert durch einen Stapel Briefumschläge.

MIRA
Haben wir jemanden vergessen?

Als Mira Wolfgang mit der Lederjacke sieht, staunt sie kurz, räumt weiter ein, schaut noch einmal ungläubig zu Wolfgang.

WOLFGANG
Ne.

Wolfgang hält den Umschlag mit der Adresse "Susok" etwas länger als die anderen in der Hand.

MIRA
Bringst Du sie weg?

Es KLINGELT an der Haustür. Mira und Wolfgang schauen sich an.

WOLFGANG
Ich geh.

Wolfgang geht in den Flur zur Haustür. Als er kurz durch das Fenster schaut erkennt er - seine Mutter, HILDEGARD BERKOWSKIE. Wolfgang schluckt nervös, - ungläubig.



(TO BE CONT'D)




57. AUßEN - VOR HAUS MIRA/WOLFGANG - MORGEN



POV VIDEOKAMERA: ROTES RECORD-SYMBOL. Hildegard steht vor der Tür. Sie schaut sich um, klingelt hektisch, ungeduldig.




58. INNEN - HAUS MIRA/WOLFGANG, KÜCHE - MORGEN

WOLFGANG
Meine Mutter!

MIRA
Na und?! Hast du ihr aufgemacht?

WOLFGANG
Nein. Ich kann nicht... Bitte.

Wolfgang schaut Mira fast flehend an. Es KLINGELT Sturm.

MIRA
Nein!

WOLFGANG
Komm, irgendwas, irgendwas fällt Dir ein...

MIRA
Nein, Wolfgang. Das mache ich nicht mehr.

WOLFGANG
Bitte. Sag ihr, dass ich...

MIRA
Wolfgang, du lässt mich jetzt nicht alleine mit dieser Frau?!

Mira schaut flehend - und wütend zu Wolfgang.




59. AUßEN - HAUS MIRA/WOLFGANG - MORGEN


POV VIDEOKAMERA: ROTES RECORD-SYMBOL. Hildegard und Mira. Das maskenhafte Gesicht von Hildegard. Die Begegnung der
beiden ist voller Anspannung.



MIRA
Hallo Frau Berkowski. Wolfgang ist nicht da, ... und,... na ja... ich... wie Sie sich vorstellen können, ist hier eine Menge...

Hildegard geht an Mira vorbei ins Haus. Mira schaut ihr gepisst hinterher.

MIRA
... zu tun.




60. INNEN - HAUS MIRA/WOLFGANG, FLUR, KÜCHE - MORGEN

Hildegard steht an der Tür zur Küche, sieht in die Küche.

HILDEGARD
(gekünstelt staunend)
Das ist aber groß. Das hätte ich ihm gar nicht zugetraut. ... Diese Küche,... ein Traum. Das hat aber eine Menge Geld gekostet.

Mira rollt die Augen, geht in die Küche, vorbei an Hilde. Mira räumt demonstrativ ein. Hildegard betritt die Küche, staunt.

HILDEGARD
Von so einer Küche hab ich immer geträumt. Haben Sie schon alles ausprobiert? ... Nur ein bisschen weiß, oder? Ich hätte mich für eine andere Farbe entschieden. Aber das müssen Sie ja wissen. Sie sind ja alt genug... Haben Sie auch so ein, ein,... Rührdings?

Hildegard gestikuliert, hält einen imaginären elektrischen Stabmixer mit beiden Händen und imitiert eine Mix-Bewegung.

HILDEGARD
Wissen Sie was ich meine? Haben Sie so was auch? So was brauchen Sie.

MIRA
Frau Berkowskie... ich...

Hildegard nimmt ein Glas, hält es gegen das Licht, prüfender Blick, stellt es wieder hin.

HILDEGARD
(vertraulicher Ton)
Ah, mein Wolfgang... Wolfgang war ein schwieriges Kind. Von Anfang an...

Mira rollt die Augen, ohne dass Hildegard das sieht.

HILDEGARD
... hat er nur Ärger gemacht...

Wolfgang lauscht - ungesehen von Mira und Hilde - von der Tür seines Arbeitszimmers aus.

HILDEGARD
Ich hoffe für Sie, dass Ihr Kind ein Wunschkind ist. ... Ist er eigentlich immer weg? Treibt er sich herum? Sie können es mir ruhig sagen. Treibt er sich herum? Kommt und geht, wann es ihm passt? Stimmt's?! Wie sein Vater!

Mira versucht Hildegards Gequatsche zu ignorieren, räumt mechanisch weiter ein.

HILDEGARD
Von Anfang an hat er nur Ärger gemacht. Geschrieen hat er, jede Nacht. Er wollte nichts trinken und später auch nichts essen. Können Sie sich vorstellen wie schrecklich das war? Für mich als allein stehende Frau? Ich konnte niemandem vertrauen.

Wolfgang - von der Tür seines Arbeitszimmers - ballt verzweifelt die Faust. Hilfloses Gesicht...

HILDEGARD (O.S.)
Sein Vater ist nach der Geburt spurlos verschwunden. Ein Jahr später hat er sich gemeldet. Er wollte angeblich sein Kind sehen. Aber ich sage Ihnen eines, in Wirklichkeit wollte er mein Geld. Es ging immer nur um's Geld!

Mira zittert, sie kocht innerlich, ein Teller fällt ihr aus der Hand, der KLIRREND zu Bruch geht.

MIRA
Gehen Sie!

Wolfgang lauscht an der Tür, hilflos, den Tränen nahe...

HILDEGARD (O.S.)
Sie sind mich gleich los. Ich wollte nur noch eines sagen. Das können Sie dann Wolfgang ausrichten. Ich glaube, es wird ihn sehr interessieren...

Wolfgang hört wie hypnotisiert zu...

HILDEGARD (O.S.)
Richten Sie ihm aus, dass sein Großvater gestorben ist. Ich werde nicht auf die Beerdigung gehen. Aber ich weiß, wer dort sein wird.

Hildegard legt das vergilbte Notizbuch auf die Küchentheke.

HILDEGARD
(verächtlich)
Und geben Sie ihm das hier.



ABBLENDE



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