Dienstag, 9. Dezember 2008

Eine Deadline ist keine Verhandlungssache

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16. INNEN - HAUS MIRA/WOLFGANG, WOHNZIMMER - MORGEN

Wolfgang (Pflaster am Kopf) liest den Heiratsvertrag. Er raucht eine Zigarette, hört ein KLAPPERNDES GERÄUSCH.

WOLFGANG
(ohne sich umzudrehen)
Mira, der Vertrag ist doch okay. Mira steht mit einer Tasse Tee an der Tür, schlürft, schaut etwas besorgt zu Wolfgang.

MIRA
Okay. Hatten wir nicht gesagt, dass Du nur noch im Arbeitszimmer rauchst?

Wolfgang saugt noch einmal an der Zigarette, dann quetscht er sie im Aschenbecher aus.

WOLFGANG
Ja, sorry.

MIRA
Wir müssen uns um das Kinderzimmer kümmern.

WOLFGANG
Ich weiß.

Mira streichelt unbewusst ihren Bauch.

MIRA
Wann ist bei Dir noch mal Deadline?

WOLFGANG
Morgen.

MIRA
Gut. Und?

WOLFGANG
Fertig. Nur noch ein paar Kleinigkeiten.

MIRA
Gut. Wenn Du's morgen weggeschickt hast, gehen wir ein paar Sachen besorgen. Hier, ich habe ein Liste gemacht.

Mira gibt Wolfgang eine Liste. Wolfgang liest die Liste.


WICKELUNTERLAGE, TÜCHER, BODIES, SCHLAFWIEGE, LETZTER GEBURTSVORBEREITUNGSTERMIN


Wolfgangs schaut kurz grinsend zu Mira.

WOLFGANG
Wann ist der Termin?

MIRA
Donnerstag Abend.

Wolfgangs Handy KLINGELT. Er sieht kurz auf das Display,...

... „VERLAG (SUSOK)"...

... RÄUSPERT sich, nimmt ab,...

WOLFGANG
Berkowski.
(leise zu Mira)
Die Susok,... Verlag.

... hört zu. Grinst zu Mira, als wolle er sagen: „Siehst du, es läuft!".



(TO BE CONT'D)




17. INNEN - VERLASGSBÜRO, SUSOK - MORGEN

GABRIELE SUSOK, 38 JAHRE, Lesebrille, lange, braune Haare mit grauen Strähnen, sitzt vor einem Computer, schaut prüfend auf den Monitor, telefoniert gleichzeitig.

Eine junge Frau, TAMALI SUSOK, 16, Praktikantin, steht im Hintergrund und spannt neues Papier in ein Flip-Board ein. Tamali beginnt mit einem blauen Filzstift Namen und Striche auf den Bogen zu malen. Susok beobachtet das scharf aus den Augenwinkeln.

SUSOK
Der Verlag hat sich entschieden, schneller in Produktion zu gehen, wir brauchen das Manuskript also heute. Ich weiß, Deadline ist erst morgen, aber wir wollen es heute, ist das ein Problem? ... Schicken Sie's einfach heute noch `raus! ... Genau so wie es ist. Die Lektorin wartet. ... Was meinen Sie um wieviel Uhr es kommt? Nur damit ich der Lektorin Bescheid sagen kann. ... Je eher, desto besser.
(extrem gereizt zu Tamali)
Das kannste gleich noch mal machen, Herzchen. Und nimm, um Gottes Willen, eine andere Farbe!

Tamali schaut Susok giftig an.



(TO BE CONT'D)




18. INNEN - HAUS MIRA/WOLFGANG, WOHNZIMMER - MORGEN

Wolfgang hört nervös zu. Mira beobachtet ihn, fragt stumm mit dem Kopf, was los ist.

WOLFGANG
Das wird... ich... Frau Susok, es gibt ein... Ich... (...) Nein, nein, ... hören Sie kurz zu, Ich... wir ... wir ziehen um... das heißt, wir sind gerade...



(TO BE CONT'D)




19. INNEN - VERLASGSBÜRO, SUSOK - MORGEN

Tamali spannt neues Papier in das Flip-Board. Sie malt mit einem roten Filzstift Namen, Uhrzeiten und Striche.

SUSOK
Der Verlag will es aber heute!
(zu Praktikantin)
Nicht mit Rot! Das ist zu aggressiv. Nimm "Blau"!
(zu Wolfgang)
Ich entscheide so was nicht alleine, verstehen Sie?

Tamali reißt in aller Seelenruhe das rot beschriftete Papier vom Flip-Board, schaut zu Susok, rollt die Augen.

SUSOK
... ich, (...) Jetzt hören Sie mir zu! Ich will das Manuskript heute haben, sonst lösen wir Ihren Vertrag auf! Habe ich mich verständlich ausgedrückt? (...) Ach ja, ich soll Ihnen ausrichten, dass wir in Zukunft nicht mehr mit Ihnen planen.

Susok legt auf, ist kurz verdutzt über ihre Aggressivität, sieht gereizt zu Tamali am Flip-Board.

TAMALI
Mutti, was war das denn? Das war absolut nicht angebracht. Warum tust Du das?

SUSOK
Nenn' mich nicht „Mutti"!




20. INNEN - HAUS MIRA/WOLFGANG; WOHNZIMMER - MORGEN

Wolfgang ist nervös, versucht sich zu kontrollieren, ignoriert, dass Susok aufgelegt hat. Er simuliert das Gespräch weiter, nickt verständnisvoll,...

Mira beobachtet ihn mit der Teetasse in der Hand.

WOLFGANG
Ja, also Abgabe "Morgen". Dann ändert sich ja nicht viel. (...) Ja, sieht gut aus. (...) Danke, Ihnen auch.

Wolfgang legt auf. Freut sich, fasst sich kurz an die Brille.

WOLFGANG
Deadline bleibt bei "Morgen". Und sie hat was neues angekündigt. Etwas überraschendes.

MIRA
Und schaffst Du das?

WOLFGANG
Ja klar. Kein Problem. Es sind nur noch Kleinigkeiten.

Mira mustert intensiv Wolfgang, lächelt dann erleichtert.

MIRA
Gut. Wollen wir kurz planen wie's heute und die nächsten Tage weitergeht? - Also Morgen, wenn Du abgegeben hast, fahren wir los und besorgen die Sachen auf der Liste. Du musst mir auch sagen, ob wir die Susok zur Hochzeit einladen sollen. Die Einladungen müssen zum Drucker. Ja oder nein?

Wolfgang lächelt, aber es schwebt etwas Verzweifeltes in seinem Lächeln.




21. INNEN - VILLA BRANDT, ELIZABETHS ARBEITSZIMMER - VORMITTAG

Elizabeth hat den Hörer am Ohr, schenkt sich einen Whiskey ein.

ELIZABETH
Hast Du ihn rausgeschmissen, Gabi? (...) Wieso nicht? Das ist nicht schwer, schmeiß ihn einfach raus! (...) Dann schreibt das Buch jemand anders fertig! (...) Das ist mir egal. Der Laden gehört mir, ich kann machen, was ich will. Und dieser Typ muss raus! (...) Glaub ich nicht, dass er das Buch heute noch schickt.

Elizabeth knallt den Hörer wütend auf, grinst hämisch, diabolisch...



22. INNEN - VERLASGSBÜRO, SUSOK - MORGEN

Susok hält den Hörer am Ohr, schaut irritiert, legt ganz langsam auf.

SUSOK
Die spinnt. Was glaubt die eigentlich, wer ich bin.





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