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48. INNEN - BAR - ABEND
Wolfgang und Willi sitzen an der Bar. Der Kellner schiebt ein Glas Cola zu Wolfgang und ein riesiges Glas Milch zu Willi.
Wolfgang beobachtet das regungslos. Willi holt aus der Jacke einen Beutel, reißt ihn auf und schüttet braunes Pulver in die Milch, rührt genüsslich mit dem Löffel. Wolfgang fasst sich kurz verdutzt an die Brille. Willi schaut ihn verwundert an, legt den Löffel auf den Tresen, dann stoßen sie an. Willi mustert Wolfgang skeptisch von der Seite, schüttelt den Kopf, trinkt einen Schluck.
WILLI
Berkowski Junior. Du hast Dich ganz schön verändert, bist ganz schön groß geworden, seitdem ich Dich das letzte Mal durch die Gegend kutschiert habe.
WOLFGANG
Was?
Willi lacht herzlich.
WILLI
Ja, das ist lange her, sehr lange her.
(macht Geste)
So groß warst du da. Jetzt siehst Du aus wie dein Vater. Du bewegst dich wie er. Guckst wie er.
(lacht herzlich)
Wenn ich Dich sehe, geht's mir wie den Leuten in den alten Zeitraffer-Filmen.
WOLFGANG
Zeitmaschinen-Filme.
WILLI
Ja, Du kennst dich aus, Junior. Zeitmaschinen-Filme.
Wolfgang fasst sich kurz an die Brille, um den Bügel gerade zu rücken. Willi registriert diese Angewohnheit genau.
WILLI
Und Du hast den gleichen Tic.
WOLFGANG
Was für ein Tic?
Willi fasst sich kurz an eine imaginäre Brille, imitiert damit Wolfgangs Angewohnheit, sich an den Brillenbügel zu fassen. Wolfgang lächelt kurz.
WILLI
Genau wie dein Vater.
WOLFGANG
Hast Du herausgefunden, wo mein Vater wohnt?
Willi mustert Wolfgang intensiv. Wolfgang trinkt einen Schluck Cola,...
WILLI
Ich stelle mir neuerdings die Frage, warum willst Du ihn überhaupt finden?
... verschluckt sich. Willi mustert Wolfgang.
WILLI
Warum willst Du ihn finden, Junior? Gib mir eine ehrliche Antwort!
Wolfgang runzelt verdutzt die Stirn.
WOLFGANG
Was ist denn das für eine bescheuerte Frage?
WILLI
Junior, Du hast dein ganzes Leben vor Dir. Dein Vater hat es hinter sich, er hat alles vermasselt. Er hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann...
Wolfgang hört gebannt zu.
WILLI
... Er hatte eine tolle Frau, die er betrogen hat. Er hatte ein tolles Kind, um das er sich nicht gekümmert hat. Er hatte die besten Freunde, die man sich vorstellen kann und er hat sie alle ausgesaugt, bis auf den letzten Tropfen. Ich hatte ihm vertraut. Weißt Du was ich meine, Junior? Weißt Du was Vertrauen bedeutet?
Wolfgang hört befremdet zu. Willi trinkt einen großen Schluck Kakao, wischt sich mit dem Ärmel den Milchbart ab, RÜLPST.
WILLI
Noch hast du die Wahl, Junior. Diese Nummer mit deinem Vater führt dich weit weg, - weit, weit weg. Du hast keine Ahnung, mit wem Du es zu tun kriegst.
Willi nimmt das leere Kakaotütchen und spielt damit. Wolfgang hört gebannt zu, verzieht das Gesicht.
WOLFGANG
Bullshit!
Willi runzelt beleidigt die Stirn - er fixiert mitleidig Wolfgang. Willi legt das Kakaotütchen wieder auf den Tresen.
(TO BE CONT'D)
49. INNEN - HAUS MIRA/WOLFGANG, WOLFGANGS ARBEITSZIMMER - ABEND
Mira legt eine Hochzeits-Einladungskarte auf Wolfgangs Schreibtisch. Sie schreibt auf einen PostIt-Zettel "FÜR VERLAG", registriert dabei, dass ein Anruf auf dem Anrufbeantworter ist.
Mira sieht das Foto mit Zacharias, Manfred und Willi (mit Anzug und Zigarre) unter einem Stapel Papiere. Sie schaut das Foto intensiv an, dreht es intuitiv um und entdeckt Willis Handy-Nummer.
Mira nimmt das Telefon und drückt die Wahlwiederhol-Taste. Die letzten 10 Nummern, die gewählt wurden, sind die gleichen, die auch auf der Rückseite des Fotos steht. Mira wählt die Nummer, wartet ab, beobachtet das blinkende Lämpchen auf dem Anrufbeantworter...
50. INNEN - BAR - ABEND
Willis Handy KLINGELT.
WILLI
Was machst du gerade so? Schreibst Du noch?
WOLFGANG
Ja.
Willi nimmt das Handy und schaut auf das Display. Auf dem Display steht:
„JUNIOR (ZUHAUSE)"
Willi runzelt die Stirn, schaut zu Wolfgang, lässt sich aber nicht anmerken, dass gerade jemand aus Wolfgangs Haus seine Telefonnummer gefunden und gewählt hat.
WILLI
Du schreibst. Hmhm. Ist das ein... Beruf von dem man leben kann?
WOLFGANG
Ja.
WILLI
Und was schreibst du so, zur Zeit?
WOLFGANG
Romane.
Willi zieht bewundernd die Augenbrauen hoch. Es hört auf zu KLINGELN.
WILLI
Mmm, Romane. Das ist ja ein Ding. Ich kann also in die Buchhandlung gehen und mir einen „Berkowskie" kaufen?
Wolfgang stutzt, lächelt.
WOLFGANG
Ich habe NICHT gesagt, dass du einen in der Buchhandlung kaufen kannst, aktuell.
WILLI
Wo denn sonst?
WOLFGANG
(druckst)
Na ja, ich... ich arbeite...
WILLI
Kann ich oder kann ich nicht?
WOLFGANG
Na ja, zur Zeit kannst du EINEN „Ratgeber" von mir kaufen. Der zweite ist in Arbeit.
WILLI
„Ratgeber"? Was ist denn das, Junior? Willst du mich auf den Arm nehmen? Du hast doch „Romane" gesagt. Hast du Dir etwa das Lügen angewöhnt?
Wolfgang ist irritiert. Die Stimmung kippt.
WOLFGANG
Nein! Also gut, ich schreibe EINEN Roman. Der ist aber noch nicht veröffentlicht. Das ist ganz normal. Das dauert.
WILLI
Du hast aber „Roman-e" gesagt. Und jetzt ist es nur ein Roman. Und der ist noch nicht einmal fertig. Was soll ich denn davon halten? Regel Nummer eins, wir bleiben bei der Wahrheit, auch wenn sie grausam ist. Wie soll ich Dir sonst vertrauen?
Willi trinkt einen Schluck Kakao.
WOLFGANG
Hey, kein Stress!
WILLI
Ich mache keinen Stress, Junior. Du machst Stress. Ich kenne deinen Vater. Der hat auch so eine Scheiße gefaselt, den ganzen lieben langen Tag.
Wolfgang fixiert Willi, ist sprachlos.
WOLFGANG
Du hasst meinen Vater. Und Du weiß, wo er ist.
WILLI
Nein, weiß ich nicht. Wenn ich es wüsste, würde ich ihm jetzt einen schönen Besuch mit Dir abstatten.
WOLFGANG
Warum war mein Vater im... Knast?
Willi lacht, mustert Wolfgang, trinkt Kakao.
WILLI
Du hast wirklich keine Ahnung, Junior. Das überrascht mich.
Wolfgang trinkt die Cola leer, fixiert Willi.
Wieder KLINGELT Willis Handy. Willi sieht auf das Display:
„JUNIOR (ZUHAUSE)"
Willi Lässt sich nichts anmerken, trinkt den Kakao leer, schaut Wolfgang dabei intensiv an.
WOLFGANG
Vielleicht.
Wolfgang holt das Diktiergerät seines Vaters aus der Tasche.
WOLFGANG
Kennst Du das Ding?
Willi liest auf dem Display seines Handys:
SIE HABEN EINE NEUE NACHRICHT VON „JUNIOR (ZUHAUSE)".
Willi fixiert staunend das Diktiergerät, will das
Diktiergerät nehmen, aber Wolfgang zieht die Hand zurück.
WOLFGANG
Nein! Erzähl mir erst, warum mein Vater in den Knast musste.
Wolfgangs Augen...
ÜBERBLENDE
51. INNEN/AUßEN - AUTO - TAG (FLASHBACK)
Wolfgang (als Achtjähriger) steigt in einen Wagen ein. Sein Vater hält die Tür auf. Am Steuer sitzt Willi, der fast genauso aussieht wie heute. Willi und Manfred schauen sich intensiv an, ohne dass Wolfgang es mitbekommt.Wolfgang freut sich riesig, reißt die Augen erwartungsvoll auf, fasst sich kurz an die Brille. Willi fährt. Manfred sitzt auf dem Beifahrersitz, Wolfgang hinten. Die Musik ist irre laut aufgedreht. Wolfgang wippt mit dem Oberkörper zum Rhythmus. Manfred beobachtet ihn, lächelt.
52. AUßEN - ZOO - TAG (FLASHBACK)
Wolfgang und Manfred reiten auf einem Elefanten. Der Wind weht kalt. Manfred zieht seine Lederjacke aus, legt sie fürsorglich um den frierenden Jungen. Wolfgang kuschelt sich in die Jacke, sieht seinen Vater dankbar und hoffnungsvoll an.
ABBLENDE
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Dienstag, 9. Dezember 2008
Erstes Treffen Wolfgang und Willi - und ein paar unbequeme Wahrheiten
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