Dienstag, 9. Dezember 2008

Wolfgang kommt der Wahrheit immer näher

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115. INNEN - MANFREDS WOHNUNG - NACHT

Wolfgang rafft die zerknüllten Seiten auf, glättet sie, sucht kurz in der Ecke, wo er das Notizbuch hingeworfen hat.
Er findet das Notizbuch, hebt es auf, steckt die geglätteten Seiten in das Buch. Er beobachtet seinen immer noch am Stuhl gefesselten Vater, der bewusstlos ist. Manfred kommt zu sich, schaut mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Wolfgang.

WOLFGANG
Sie haben das gesucht!

Manfred erkennt das Notizbuch, SEUFZT, schaut seinen Sohn überrascht an.

MANFRED
Weiß jemand, daß Du hier bist?

WOLFGANG
Lenk' nicht ab! Was steht da wichtiges drin?!

MANFRED
Weiß jemand, daß Du hier bist? - Die verstehen keinen Spaß, mein Sohn!

WOLFGANG
"Die"!? Wer sind „die"? Und nenn mich nicht „mein Sohn"!

Manfred fixiert das Notizbuch.

MANFRED
Das war dumm, das Ding mitzubringen, mein Sohn. Sie beobachten mich. Und Dich.

WOLFGANG
Nenn mich nicht „mein Sohn"!

MANFRED
Ich wusste nicht, wo Du wohnst, deswegen habe ich alles deiner Mutter geschickt. Ich... Ich wollte, daß wir uns auf dem Boot treffen.

WOLFGANG
Also doch Boot! Auf welchem Boot!?

MANFRED
Mein Vater hat mir das Boot überlassen.

Wolfgang und Manfred mustern sich. Wolfgang fasst sich an die Brille, schaut seinen Vater intensiv an,...

MANFRED
Wolfgang, ich... Ich will... ich... Ich weiß, ich kann's nicht mehr gut machen. Du kannst das Geld haben. Dann sind wir zwei quitt. Deine Mutter...

WOLFGANG
Was für ein Geld?!

Manfred hebt die Augenbrauen. Wolfgang beginnt ihn von dessen Fesseln zu befreien. Manfred reckt sich, er hat offensichtlich am ganzen Körper Schmerzen.

MANFRED
Danke.

Manfred fischt zielstrebig eine Mappe aus dem Chaos und fingert daraus einen alten Zeitungsausschnitt. Manfred legt ihn auf den Tisch. Wolfgang sieht den Zeitungsausschnitt aus den Augenwinkeln, liest neugierig.


DREISTER ÜBERFALL AUF GELDTRANSPORTER BEI EINEM ÜBERFALL AUF EINEN GELDTRANSPORTER DER SPARKASSE ERBEUTEN DIEBE ÜBER 500.000 €. ... ÜBER DEN VERBLEIB DER BEUTE HERRSCHT UNKLARHEIT. ... NUR EIN MANN KONNTE GEFASST WERDEN, MANFRED BERKOWSKIE. ... ES GAB MINDESTENS NOCH ZWEI KOMPLIZEN ... DIE SECURITAS FIRMA SONEMANN GERÄT UNTER VERDACHT. DER FIRMA KONNTE ABER NICHTS NACHGEWIESEN WERDEN ... DIE MUTMAßLICHEN KOMPLIZEN LEBEN AUF FREIEN FUß. ...


Wolfgang schaut verblüfft zu Manfred.

WOLFGANG
(flüstert)
Sonemann? Willi Sonemann?

Manfred nickt, Wolfgang schaut sich nervös im Zimmer um.

MANFRED
Ja, kannst Du Dich noch an ihn erinnern?

Wolfgang findet im Chaos ein leeres Kakaotütchen, hebt es erstaunt hoch, untersucht es. Dann findet Wolfgang ein Richtmikro in einem Radio.

MANFRED
Dein Vater, Willi und Zacharias waren früher ein Team. Ein gutes Team.

WOLFGANG
(betont wütend)
Halt die Klappe! Ich will diese Scheisse nicht mehr hören!

Wolfgang hält den Finger vor den Mund, deutet damit an, daß Manfred schweigen soll. Manfred ist verdutzt, versteht aber. Wolfgang zieht das Richtmikro vorsichtig aus dem Versteck. Dann holt er einen Hammer...

WOLFGANG
(extrem leise)
Mach weiter. Sag irgend etwas!

Manfred, immer noch verdutzt, nickt vorsichtig.



116. AUßEN/INNEN - VAN, STRAßE VOR MANFREDS HAUS - NACHT

Willi hat Kopfhörer im Ohr, hört das Gespräch zwischen Wolfgang und Manfred mit. Er holt seinen Revolver aus dem Handschuhfach und versteckt ihn in seiner Jacke.

MANFRED (O.S. AUS KOPFHÖRER)
Mein Sohn, ich... werde Dir alles erklären.

WOLFGANG (O.S. AUS KOPFHÖRER)
Du sollst die Klappe halten! Und nenn mich nicht "mein Sohn"!

MANFRED (O.S. AUS KOPFHÖRER)
Lass es mich wenigstens versuchen, ich...

WOLFGANG (O.S. AUS KOPFHÖRER)
Ja? Ich höre.

MANFRED (O.S. AUS KOPFHÖRER)
Ich... ich... habe mich oft gefragt wie es Dir geht, was Du so machst, ob wir uns irgendwann mal wieder sehen. Ich hatte immer gehofft, dass wir uns wieder sehen und...

WILLI
(leise zu sich)
Sag endlich, wo das Boot liegt, Du Idiot!


KRACK!


Die Übertragung ist abrupt unterbrochen. Willi zuckt kurz, schaut nach oben, scheint dann auf der Straße etwas zu sehen, nimmt die Kopfhörer ab, lässt das Seitenfenster herunter. Ein Wagen hält neben Willis Van. Aus dem Seitenfenster schaut Albert Brandt heraus. Albert und Willi mustern sich. Albert lässt das Seitenfenster herunter.

ALBERT
Wissen Sie schon, wo das Geld versteckt ist?

WILLI
Nein. Aber wenn die Geschichte zu Ende ist, haben Sie den Jackpot geknackt.

ALBERT
Das klingt gut.

Albert schaut verächtlich und selbstgerecht zu Willi.

ALBERT
Und hier die Überraschung.

Albert reicht Willi durchs Seitenfenster eine Kopie. Willi nimmt die Kopie, liest sie kurz und hebt die Augenbrauen. Es ist eine Kopie von dem Zeitungsartikel ("Dreister Überfall auf Geldtransporter...").

ALBERT
Ich könnte mir vorstellen, dass es immer noch ein gewisses Interesse gibt, den Fall aufzuklären. Bei der Summe!

Willi mustert Albert mit seinem Pokerface.

WILLI
Was wollen Sie?

ALBERT
Fifty fifty von 50.000 sind nicht schlecht. Aber 70 30 von 500.000 sind besser, finden Sie nicht? Zu meinen Gunsten, versteht sich.

Wolfgang steht oben am Fenster hinter der Gardine und beobachtet die beiden Männer...



ABBLENDE


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